Beziehungstaten: From Washington, with Love

Geht ein Partner seiner Wege, dann kann das schmerzhaft sein. Scheidungen sind oft teuer. Und die umkämpfte Arena der Politik kein Himmelbett.
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Nichts in der Politik geschieht zufällig, sagte US-Präsident Roosevelt, selbst wenn etwas scheinbar Überraschendes passiere könne man sicher sein, daß es vorher so geplant war.
Jeder Kriminalist bei jeder beliebigen Mordkommission hat auf dieser Linie zu denken, wenn er einen möglichen Mord aufklärt. Hat er es mit einer entleibten Ehefrau zu tun, dann wird er sich zuerst dem Herrn Gemahl zuwenden, die Erfahrungen, jedenfalls die vor 2015, zeigen, daß bei Tötungdelikten ein überwiegender Teil Beziehungtaten sind. Man hat daher herauszufinden, ob es in der Partnerschaft zuletzt zum Besten stand.

Das Bonmot, daß einschneidende Ereignisse ihre Schatten vorauschicken, passt hier. Es gilt für den kleinen Kriminalfall ebenso wie für die große Politik, die selbst reich an Kriminalfällen ist. Brüchige Ehen gibt es hier wie dort, Eifersuchtsdramen und häusliche Gewalt ebenfalls.

Es sind diese Schatten, die mir seit gestern im Kopf herumgehen. Ich sah die gewalttätigen Demonstrationen in Paris, rund um das Grabmahl des unbekannten Soldaten, Ausschreitungen die sich zum Teil offen gegen Symbole der französischen Nation richteten, las die Anklage von Regierungspolitikern, daß es sich bei den Aufständischen um „Profis“ handele. Und dachte an den von Emmanuel Macron seit Herbst immer stringenter verfolgten Plan, eine europäische Armee aufzubauen, ohne, ja sogar gegen(!) den alten NATO-Partner USA. Marianne will Uncle Sam verlassen – kurz darauf liegt das Gesicht der stolzen Nationalheiligen am Arc de Triomphe in Trümmern.

Dabei erinnerte ich mich – manchmal mischen sich alte Bilder unter die neuen – daß Charles de Gaulle die NATO verliess und wenig später, 1968, Goldtonnagen aus den USA abzog; er bat nicht um eine zivile Überweisung sondern schickte zu diesem Zweck eigens die französische Marine. Unmittelbar darauf begannen in Paris die Studentenunruhen – so gewalttätig, daß der Präsident aus seiner eigenen Hauptstadt fliehen musste.

Die Schatten, die den sichtbaren Ereignissen vorangehen können auch golden glänzen, dachte ich, wobei mir, als Synonym zur gallischen Marianne, die Germania ins Blickfeld trat, die ihrerseits schon einmal, in der exakt der gleichen Sache, mit Uncle Sam einen Rosenkrieg auszufechten hatte. 2014/15 stellte sich Philipp Mißfelder, seines Zeichens außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, auf die Hinterbeine und betrieb den kompletten Abzug der der deutschen Goldreserven aus London und den USA. Durch einen von transatlantischen Medien skandalisierten Putin-Besuch an der Seite Gerhard Schröders bereits angeschlagen, verlor die Nachwuchshoffnung der Union 2014 den Posten des Koordinators der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit (und hintendrauf auch seine Anstellung im CDU-Präsidium). Trotzdem: der Mann blieb in der Goldsache standhaft und forderte sogar, offenkundig den amerikanischen „Freunden“ mißtrauend, die zurückbezogenen Barren umzuschmelzen – man konnte ja nicht sicher sein, was sich unter der glänzenden Oberfläche an möglicherweise Wertlosem verbarg. Mißfelder kam 2015 ums Leben. Er soll – auch das ein schönes Bild – „eine Treppe heruntergefallen sein“. Die Ärzte attestierten als Todesurache „Lungenembolie“, was in der Familie Mißfelders auf Widerspruch stieß. Der jüngere Bruder, Magnus Mißfelder, auf dessen Initiative die Klage der Eltern auf Herausgabe der Krankenakten seines Bruders zustande kam, starb 2017 im gleichen Alter, ebenfalls an einer Lungenembolie.

„Kommissar Zufall“ ist der beliebteste Zeitgenosse wenn es um die Schatten geht, die in der Politik bestimmten Ereignissen vorangeht. Es steht Ihnen frei, sich ihm anzuschließen. Der alte Verschwörungstheoretiker Roosevelt, wäre er noch unter uns, er würde darüber schmunzeln. Nicht über die Geschichten des Kommissars. Sondern über SIE