Der Kollaps des US-Dollar-Bankensystems kommt: Staaten kaufen Gold!

Niki VogtVeröffentlicht von

Der Kollaps des US-Dollar-Bankensystems kommt: Staaten kaufen Gold!

Es ist unübersehbar: Überall auf der ganzen Welt kaufen Zentralbanken der Staaten fieberhaft Gold und lagern es in ihren Tresoren ein. Der Grund: Was schon lange in der Luft liegt, nämlich dass auf die eine oder andere Weise das Gesamtpaket an Staatsüberschuldung, wirtschaftlicher Unsicherheit, Handelskriegen, aufstrebende Volkswirtschaften der Schwellenländer, die globale Migrationsagenda und der militärische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Niedergang des „Westens“ überall für wachsende Unsicherheit sorgt. Die „emerging economies“ wittern kommendes Unheil, wollen nicht in den Strudel gezogen werden und wenden sich von der erodierenden Weltleitwährung Dollar ab – und jenem Geld zu, was noch nie seinen Wert verloren hat: Gold.

Ungarn, Polen, Russland, China, Indien, die Türkei und Saudi-Arabien horten Gold, sagt Wladimir Rozhankovsky, LIFA, Experte des International Financial Center. Es sind noch sehr viel mehr Länder: Kasachstan kauft immer weiter Gold, sogar Venezuela hat seine Goldreserven wieder um 3,7 Tonnen auf 191,3 Tonnen aufgestockt. Die Inselgruppe Curacao und St. Martin erscheinen sogar zum ersten Mal mit 13,1 Tonnen in der Top-100 der Goldbesitzerstaaten auf. Kolumbien hat die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt und 5,7 Tonnen eingekauft und steht nun bei 10,4 Tonnen.

Weitere Goldeinkäufer sind die Zentralbanken von Thailand, Tadschikistan, Ukraine, Frankreich, Serbien, Mexiko und Argentinien.

Die türkischen Goldbestände haben sich um satte 39 Tonnen vergrößert. Damit verdrängt das Land am Bosporus sogar Indien in der WGC-Rangliste von Position 11 auf 12. Russlands Goldreserven wuchsen dieses Jahr um bisher 10,2 Tonnen auf insgesamt 1.838,8 Tonnen. Im vergangenen Jahr sind die offiziellen Bestände der Russischen Föderation sogar um 223 Tonnen angestiegen.

Die Summe der offiziellen weltweiten Goldreserven wird vom WGC (World Gold Council) mit 33.790,8 Tonnen angegeben. Das sind 64,6 Tonnen mehr als vor einem Monat. Zu berücksichtigen ist die Tatsache, dass einige Länder keine Angaben zu ihren Goldreserven machen. Dazu zählen unter anderem der Iran, Israel und Nordkorea.

Der Kauf der Zentralbanken im gesamten Jahr stieg im Vergleich zu 2011 um 17 Prozent – auf den höchsten Wert seit 1964“, sagte Marcus Grubb, Geschäftsführer Investment beim World Gold Council.

Der Analyst Mikhail Mashchenko, Analyst beim Social Network für Investoren eToro in Russland und der GUS beschreibt gegenüber Russia Today die Lage so: „In naher Zukunft können wir eine große Änderung der Spielregeln beobachten. (…) Die aggressive US-Politik der letzten Jahre hat einige Länder gezwungen, nach einer Alternative zum Dollar zu suchen und ihre Goldreserven aufzufüllen. Sorgen über das künftige Wachstum der Weltwirtschaft sind ein zusätzlicher Kaufanreiz. Viele hinterfragen den Protektionismus von Donald Trump“.

Überall bekommt man die gleiche Einschätzung der Lage. Es gebe Anzeichen dafür, dass das vom US-Dollar dominierte, globale Finanzsystem zusammenbrechen könnte, sagt auch Denis Lisitsyn, Analyst des Finanzinstitutes FinIst. Zu diesen Zeichen zählen die willkürliche Emission von Geld (aka known as „Gelddrucken“) in mehreren Ländern, ein Anstieg der US-Zinssätze, Handelskriege, der rasche Anstieg der Energiepreise, geopolitische Spannungen in Syrien, der Irak, der Jemen-Krieg.

Die Welt geht zur Zeit durch größere Krisen. In Frankreich toben wieder Unruhen, die bei jeder Gelegenheit ausbrechen und in nicht allzuferner Zukunft zum Bürgerkrieg ausarten werden. Die EU zerbröselt, egal welche großartigen Umfragewerte sie sich selbst bescheinigt. Der Syrienkrieg ist noch nicht zu Ende, immer wieder lodert die Flamme auf, die nach wie vor erst die Region, dann die gesamte Mittelmeeranrainerschaft und letztlich die Türkei, Russland und Europa in Brand setzen kann.

Die schwarzen Schwäne kreisen am Himmel. Sie sind viele. Sie werden nicht ewig kreisen. Wenn auch nur ein paar landen, geht‘s los.

„Viele Länder kaufen im Voraus Gold. Sie wissen, dass Papiergeld ständig von der Inflation aufgefressen wird, Aktien im Falle einer Krise stark nachgeben werden und ausländische Einlagen festgenommen, konfisziert oder eingefroren werden können “, sagte Denis Lisitsyn. „In Bezug auf Volumen und Marktliquidität gibt es nur wenige Alternativen zu den US-Staatsanleihen, aber weitsichtigere Länder stocken ihre Reserven auf. Gold ist tatsächlich die einzige Alternative. Auch für diejenigen, die nicht daran glauben “.

Tatsächlich können Staaten beliebig viel Geld drucken, was dann auch jedesmal zu einer Entwertung dieser Währung führt. Was gestern noch 10 XY kostete, kostet in einer Woche 100 XY und so weiter. Gold ist kaum vermehrbar. Auch das, was noch aus den Minen geholt wird und neu dazukommt, kommt nicht kostenlos. Und schon gar nicht in beliebigen Mengen. Gold kann man nicht herstellen.

Und: Anders als der Dollar, Yen oder der Euro, ist Gold eine staatenlose Währung. Hier kann keine Regierung „drucken“, keine Bank das Konto sperren, jeder auf der Welt kennt es, es ist überall eine gern gesehene Währung, die jeder sofort versteht. Man kann es verstecken, es braucht keine Unterschrift, keinen der den Wert des Goldes garantiert, denn sein Wert besteht einfach aus dem Gold selbst. Es verrostet und verottet nicht und ist auch in 1000 Jahren noch wertvoll, wenn Dollarscheine oder Euroscheine höchstens noch Museumswert haben. Niemand erklärt Gold für ungültig.

Laut Mark Goihman, führender Analyst bei TeleTrade, sehen viele Zentralbanken unter diesen Bedingungen Gold als einen traditionell sicheren Hafen, um mögliche Turbulenzen auf den Märkten zu verhindern. „Schließlich wächst der Preis von Gold in Krisenzeiten normalerweise und kann als zusätzliche Unterstützung für die Landeswährung dienen. Viele Länder, insbesondere China und Russland, wenden sich gegen die Abhängigkeit von der Dominanz des Dollars gegen Gold. Sie reduzieren das Dollar-Vermögen in ihren Reserven.“

Was Mark Goihman hier unterschwellig, aber unmissverständlich ankündigt, ist über kurz oder lang ein neuer Goldstandard. Die eigene Landeswährung mit Gold „zu unterstützen“, heißt ja nichts anderes und ist damit die beste Versicherung gegen den Inflationsvirus, der sich langsam in immer mehr Ländern verbreitet, nicht nur in Venezuela. Und Staatsgold ist das einzige, was Rettung selbst in höchster Not garantiert: Der Iran beispielsweise verwendete sein Staatsgold auch zur Stabilisierung seiner Wirtschaft: „Der Iran musste auf Goldzahlungen umsteigen.“, erklärte Lisitsyn. „Die schwache Wirtschaftskonjunktur und die steigende Inflation zwangen Teheran, echtes Goldgeld in den heimischen Markt zu werfen. Danach stabilisierte sich die Wirtschaft und die Währung erstarkte. Viele Nachbarländer, wie auch die Türkei, profitierten auch von Vereinbarungen gegen Gold mit dem Iran. Die Türkei erreichte so auch wieder eine positive Handelsbilanz und konnte die türkische Lira stabilisieren“.

Auch zu Zeiten, als die US-amerikanischen Sanktionen den Iran in die Knie gezwungen hätten, konnte das Land aus Russland, China und anderen Ländern die dringend benötigten Güter beziehen: Flugzeuge voller Waren aller Art landeten im Iran und iranische Flugzeuge mit Gold in den Partnerländern. Die USA hatten dem Iran jeden Zugang zum Bankensystem versperrt, um es regelrecht auszuhungern. Das Land konnte keine Überweisungen mehr irgendwohin tätigen. Gold sprengte die Falle.

Auch Deutschland hat mehr als 300 Tonnen Gold repatriiert, und in den Niederlanden wurden rund 100 Tonnen Barren zurückgegeben. Die Türkei kaufte letztes Jahr 187 Tonnen Gold und hat Gold aus der Federal Reserve der USA zurückgeführt. Die weltweiten Aktivitäten mit Gold sind äußerst rege, nur die normalen Leute bekommen nichts davon mit.

Wer die Medien zum Thema Gold verfolgt, bekommt meistens den Eindruck, das Zeug sei irgendwas, was man früher mal total wichtig fand, was aber heutzutage ein alter Hut ist. Ein „barbarisches Relikt“ nannte es der Währungsexperte Barry Eichengreen, ein Feind des Goldstandards.

Aber das Leben, das Leben spielt anders, als es sich der hochgebildete Professor Eichengreen so ausrechnet. Nur ein kleines Beispiel am Rande: Viermal im Jahr werden die Goldbestände des Eurosystems bewertet nach dem aktuellen Goldpreis in Euro. Etwa 11.000 Tonnen Gold gibt es zu bewerten. Und das sind – je nach Goldpreis – insgesamt zwischen 400 und 500 Milliarden Euro. Und: Das Gold ist der Posten auf Platz eins der Aktiva des Eurosystems. Die Devisenreserven liegen auf Platz zwei.

Und obwohl diese Papiergeldreserven quantitativ immer mehr werden, nimmt ihre qualitative Bedeutung ab. Beim Start des Euro machten Gold rund 30 Prozent und Devisen rund 70 Prozent der Reserven aus. Heute ist es umgekehrt: Gold steht für mehr als 65 Prozent der Reserven (Tendenz steigend), Devisen für weniger als 35 Prozent (Tendenz fallend).“

Was die Staaten und ihre Zentralbanken gerade an Vorbereitungen für größere Verwerfungen betreiben, sollte den Normalbürger auch aus seinem Dämmerschlaf reißen. Die bunt bedruckten Euroscheinchen werden ständig an Wert verlieren. Vielleicht auch eines nicht allzufernen Tages ziemlich plötzlich und ziemlich brutal. Ein bisschen Edelmetall kann durchaus hilfreich sein, wenn‘s scheppert. In Venezuela bekommt man zur Zeit gute Häuser für eine Unze.

via Die Unbestechlichen