Metro-Chef Koch macht Spekulanten für schwachen Aktienkurs verantwortlich

Börse - Foto via pixabay
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Metro-Chef Olaf Koch hat Spekulanten für den schwachen Aktienkurs des Handelskonzerns verantwortlich gemacht. „Der Kurs scheint völlig entkoppelt von unserer realen Entwicklung“, sagte Koch dem Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘ (Ausgabe 10/2018, EVT 20. September). Nach der Aufspaltung des MDax-Konzerns im Sommer 2017 sei Metro „ins Visier von Spekulanten geraten“, sagte Koch. Zeitweise habe der Anteil von Leerverkäufen auf die handelbaren Aktien bei fast 20 Prozent gelegen. Als Grund dafür nannte der Konzernchef in seinem ersten Interview seit dem Einstieg des neuen Großaktionärs Daniel Kretinsky, dass das Geschäft in Russland, Metros wichtigstem Auslandsmarkt, aus Sicht von Hedgefonds-Managern mit einem „geopolitischen Risiko behaftet“ sei. Zudem leide der Konzern unter dem „schwachen Image“ der Einzelhandelsbranche, obwohl er 80 Prozent seiner Umsätze im Großhandel mache, sagte Koch.

Seit Anfang des Jahres war der Kurs der Metro-Aktie um knapp 40 Prozent eingebrochen und hatte sich zuletzt erst nach dem Einstieg von Kretinsky und Spekulationen über eine mögliche Komplettübernahme erholt. Wegen des Kursverfalls hatte der langjährige Metro-Großaktionär Haniel im August seinen Ausstieg angekündigt und ein Aktienpaket in Höhe von 7,3 Prozent an den tschechischen Milliardär und dessen Partner verkauft. Auf weitere 15,2 Prozent an den Metro-Stammaktien hält Kretinsky eine Option.

In den vergangenen Monaten hatte sich Haniel-Chef Stephan Gemkow wiederholt enttäuscht über die Kursentwicklung der Metro-Aktie geäußert und dabei auch Kritik an Koch und seiner Strategie durchblicken lassen. Dazu sagte der Metro-Chef im ‚Capital‘-Interview, erst im Mai habe es bei einer Strategieklausur des gesamten Aufsichtsrates „einen vollen Konsens aller Anteilseigner und der Arbeitnehmerbank über die Ausrichtung des Unternehmens“ gegeben. „Dass die Kursentwicklung schmerzhaft ist, darüber waren wir uns alle einig“, sagte Koch. Zugleich widersprach er dem Eindruck, der Konzern sei ein Problemfall: „Wir haben keine Geldknappheit. Und die Metro ist auch nicht in einer Krise.“ Im laufenden Geschäftsjahr werde der Konzern ohne Immobilienverkäufe ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 1,4 Mrd. Euro erzielen.

Mit Blick auf das Russland-Geschäft räumte Koch eigene Versäumnisse ein. „Wir haben Fehler gemacht, auch in Russland, aber die haben wir schon korrigiert“, sagte er. So habe man etwa das dortige Preismodell angepasst, um für die Hauptkundengruppe der unabhängigen Händler attraktiver zu werden. „Unsere Entwicklung in Russland hat sich deutlich stabilisiert“, sagte er. Allerdings sei das Geschäft dort „schwieriger geworden“.

Zurückhaltend äußerte sich Koch zu Spekulationen, der neue Großaktionär Kretinsky könnte eine Komplettübernahme anstreben, um Metro von der Börse zu nehmen. Der Aufwand für ein Delisting sei „erheblich“, sagte Koch. Zudem sei dafür eine Abstimmung mit den anderen Großaktionären notwendig. Auf die Frage, was Kretinskys Einstieg für ihn persönlich bedeute, sagte Koch: „Ich sehe das positiv und bin guter Dinge, weil ich davon überzeugt bin, dass die Metro auf einem sehr guten Weg ist.“