Organspende: Restmenschen korrekt ausweiden | QPress

Organspende: Restmenschen korrekt ausweiden Schöner sterben: Ausgerechnet das, wovon wir als Menschheit bedeutend mehr bräuchten … Hirn … ist beim Hirntod nicht mehr zu verwerten. Vielleicht kommt daher dieses flehende Stoßgebet: „HERR, lass Hirn regnen … und nimm den Bedürftigen die Schirme weg“. So ein Elend. Es ist allerdings immer noch genügend Biomasse an den hirntoten „Restmenschen“ dran, sofern sie nicht zu alt oder zu verlebt sind, sodass sich eine weitere Verwendung als Ersatzteillager für defekte Menschen empfiehlt. Die schlimmeren Problemlagen resultieren mehr aus den Hirntod-Zertifikaten.

Es geht nicht darum eine Gegenrede zu starten, die die Organspende per se diskreditiert. Allerdings gibt es zahlreiche üble Begleiterscheinungen, die einem die Nackenhaare hochkommen lassen. Selbstverständlich gibt es genügend fundierte und sachliche Argumente, der Organspende nicht prinzipiell ablehnend gegenüberzutreten. Im Lichte einer geplanten Organspendepflicht ein Grund mehr noch etwas genauer hinzusehen. Mal sehen wann die Hirntod-Feststellungen, statistisch gesehen, markt- und bedarfskonform, zunehmen. Leider sind offizielle Statistiken dazu auf die Schnelle nicht ausfindig zu machen. Aber genau an der Stelle beginnt nun das größere Elend, welches sich gerade wegen „Hirntod“, nicht mehr persönlich zu Wort melden kann.

Wie kann man den Hirntod schönreden?

In der Positiv-Theorie ist der Weg zum und nach dem Hirntod sachlich und fachlich bestens geordnet. Man möchte ja keinen Menschen abschrecken, sich als potentielles Ersatzteillager zu verweigern. Diagnose: Hirntod[Planet-Wissen]. Folgt man dem Bericht, kommt für diesen edlen Zweck ohnehi®n nur eine absolute Minorität in Frage. Aber auch diese Tatsache muss man nicht zwangsläufig so interpretieren, als gehörte man dann zu irgendeiner Elite. Denn vor und beim fliegenden Organtausch, stellen sich ganz praktische Hässlichkeiten ein.

Um dem unbedarften Menschen den Einstieg in die Materie zu erleichtern, zitieren wir zunächst aus dem Ausbildungsbereich der Mediziner und des medizinischen Personals. Selbstverständlich kommentieren wir das alles „medizynisch“ korrekt. Angesichts dieser schweren Thematik ergeben sich reichlich Fragezeichen in den Augen der Beteiligten, die noch weit vom Hirntod entfernt sind. Dessen nicht genug, wir haben hier allerhand menschliche Verstörung auszublenden. Im wahrsten Sinne des Wortes ist umETHIKettieren hier das Mittel der Wahl. Jetzt zunächst einmal stramm festhalten und ganz mutig aus dem Lehrbuch lesen:

Ablauf einer Organentnahme (-explantation)

  •  Organentnahmen finden in der Regel nachts statt. Mögliche Ursachen:
    ✅ weil das „normale” OP-Programm nicht gestört werden soll.
    ✅ weil PatientInnen sich wundern könnten, warum an „Leichen” operiert wird und sie warten müssen.
  • Krankenpflegekräfte holen die „SpenderIn“ von der Intensivstation ab und bringen sie in den OP.
  • Die „SpenderIn“ muss auf den OP-Tisch umgelagert werden. Dies kann Bewegungen (sog. Reflexe) auslösen und für Verwirrung beim Personal sorgen. Außerdem können Kreislaufprobleme bei der „SpenderIn“ auftreten, die es „nötig” machen, den Herztod zu unterdrücken, z.B. durch Wiederbelebung eines „Toten”.
  • Tücher werden auf dem Boden ausgelegt, auf denen der Operateur steht, damit er nicht in dem Wasser-Blut-Gemisch steht, das während der OP auf dem Boden entsteht.
  • Wichtig: die „SpenderIn“ wird an Armen und Beinen festgebunden, um Bewegungen zu vermeiden.
  • Die „SpenderIn“ wird desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt.
  • Und die „SpenderIn“ bekommt muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxantien) und auch Narkosemittel, die Schmerzmittel enthalten und von der AnästhesistIn verabreicht werden.

Jetzt geht es ans Eingemachte

  • Organspende: Restmenschen korrekt ausweidenWährend der Organentnahme müssen die AnästhesistInnen die lebendigen (vitalen) Funktionen einer SpenderIn aufrecht erhalten, bis das letzte vitale Organ entnommen ist. Je nach Bedarf müssen sie Medikamente, Flüssigkeiten, Blut oder Frischplasma verabreichen, um für eine ausgeglichene Stoffwechsellage zu sorgen.
  • Beim Einschnitt in den Körper der „SpenderIn“ kann es zu Blutdruck-, Herzfrequenz und Adrenalinanstieg kommen. Auch Rötungen des Gesichts, flächenhafte Hautrötungen und Schwitzen können eintreten. Bei „normalen“ Operationen werden diese Zeichen als Schmerzreaktionen gewertet. Nicht jedoch bei „Hirntoten“. Um diese Reaktionen zu unterdrücken, werden auch Schmerzmittel gegeben.
  • Werden Organe aus dem Brust- und Bauchbereich entnommen, wird zunächst ein Schnitt vom Brustbein zum Schambein vorgenommen.
  • Mit einer Operationssäge wird der Brustkorb durch das Brustbein geöffnet und die Bauchdeckenlappen werden nach außen geklappt und fixiert.
  • Die Organe werden für die Entnahme vorbereitet (präpariert) und offengelegt.
  • Wichtig ist die Konservierung der Organe. Um das zu erreichen, sind die Organe auf das Durchspühlen mit einer konservierenden, gekühlten Flüssigkeit (Perfusionslösung 4°C) vorbereitet.
  • Beim Eindringen der kalten Flüssigkeit in den noch „lebenden” Körper, die das Blut ausschwemmen soll, kann es zu Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg oder auch Zuckungen kommen.
  • Durch den hohen Kaliumgehalt der Perfusionslösung kommt es zum Herzstillstand und die Ischämiezeit, die Zeit in der kein Blut mehr in den Organen ist, beginnt.
  • Gleichzeitig werden die beiden entstandenen Hautlappen hochgehalten, damit die Operateure Wasser zum Kühlen der Organe in den Körper hineinschütten und wieder absaugen können.
  • Auch das Blut ist bei dieser Prozedur möglichst vollständig abzusaugen.
  • Die künstliche Beatmung wird abgestellt und die Organe entnommen.

Trotz Hirntod verbleibende Fragen

Aus diesen rein praktischen Erfahrungen ergeben sich leider eine Menge weiterer, eher unangenehmer Fragen, die für todeserfahrene Mediziner sicherlich keine Hürde darstellen. Aus Sicht eines weniger todeserfahrenen „Normalsterblichen“ ist es schon ein echtes Problem. Allein das Studium solcher Praxishinweise erhöht nunmehr die Gefahr eines „spontanen Hirntodes“, so aufwühlend kann das alles sein. Zumindest aber besteht größte Gefahr vom Glauben abzufallen. Sofern kein religiös motivierter Glaube vorliegt, ist selbst der Glaube an die Menschheit in diesem Moment stark gefährdet. Dieser Text ist übrigens von hier (PDF Seite 36)[Transplantation-Information]. Unter dieser Domain (Sektion Lehrmaterial) gibt es allerhand mehr Stoff zum Thema.

Der Begriff „Restmensch“ kommt auch nicht von ungefähr. Man kann ihn auf Seite 21 des verlinkten PDFs ausfindig machen, als charmantes Synonym für „Nicht-zu-Ende-Gestorbene“, was dann Dank der Organentnahme endlich im „kontrollierten-zu-Ende-Sterben“ kulminiert. Andere reden lieber von „menschlichem Gemüse“ und einer daraus resultierenden üppigen „Organ-Ernte“.

Naja, es ist ja schon tröstlich, dass man einen um sich schlagender Hirntoten, zu seinem eigenen Sicherheit als auch zum Schutz der OP-Mitarbeiter, vernünftig auf dem OP-Tisch fixiert, wenn man ihn ausweidet. Es wäre ja noch schöner, wenn man das Klinik-Personal diesbezüglich in Gefahr brächte. Aber was kann einen Hirntoten dazu veranlassen, immer noch so heftige Gegenwehr an den Tag zu legen? Hat der etwa die Hirntod-Expertise eines Mediziners verpasst oder nur nicht begriffen? Medizyniker müssen das im Allgemeinen natürlich herunterspielen, weil es sonst das Geschäftsmodell ruiniert. Dazu kann man in demselben PDF, auf Seite 39 fündig werden. Dort sind die Vorzüge von Transplantationen unter ökonomischen Aspekten hervorragend ausgeleuchtet.

Was kann man in Sachen Hirntod von einem Guru lernen?

Sogar ein Guru kann über so etwas herzhaft lachen. Ihm bescheinigten einige Witzenschaftler bereits während seiner Meditation seinen Hirntod: When Sadhguru was declared Brain Dead![YouTube]. Gottlob war der Guru, anders als mancher Hirntote hierzulande, gerade nicht für irgendein Ausweidungsprogramm oder Restmensch-Verwertung vorgesehen und trug es deshalb mit deutlich mehr Humor. Er lebte nach seiner Hirntod-Meditation quasi unbeirrt weiter. Sicher müssen wir uns keine Sorgen machen, denn wer käme hier schon auf die Idee in dieser Tiefe zu meditieren.

Organspende: Restmenschen korrekt ausweidenAber unter Narkose und Schmerzmitteln kann einem selbst dieser Humor noch mächtig abgehen. Ok, man ist sich dessen ja nicht bewusst, weil hirntot. Wenigstens wenn man den Aussagen der gottgleichen Weißkittel trauen mag. Das muss uns in dieser Debatte erst einmal reichen, sodass wieder Ruhe ist. Wobei es Leute gibt, die da einen brutal anderen Standpunkt vertreten: Leichenschändung: Störung der Totenruhe[Kritisches-Netzerk | Egon W. Kreutzer]. Egal unter welchen Aspekten wir es im Moment beleuchten, zumindest die künftigen, hirntoten Zwangsspender, wenn es soweit kommt, dürfen uns zu denken geben. Und wer mal eine große Zusammenrottung Hirntoter sehen möchte, der riskiere doch mal einen Blick in den Bundestag.

von Qpress

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