Schweizer Uni wirbt für insektenbasierte Lebensmittel im Kampf gegen den „Klimawandel“

Insektenmarkt Kambodscha

In vielen asiatischen Ländern stehen Insekten auf dem Speiseplan und sind dort auf jedem Markt zu finden. In der Schweiz hat sich jetzt ein Team der Berner Uni daran gemacht, diese Nahrungsquelle auch für westlich geprägte Menschen attraktiver zu machen – im Namen des „Klimawandels“.

„Insekten haben als Proteinquelle zahlreiche gesundheitliche Vorteile und übertreffen herkömmliches Fleisch in Bezug auf die Treibhausgasemissionen deutlich“, sagt Sebastian Berger, Verhaltensforscher am Institut für Organisation und Personal an der Universität Bern. „Deshalb könnten insektenbasierte Lebensmittel im Kampf gegen den Klimawandel helfen“, erklärt Berger weiter.

Griff in die psychologische Trickkiste: „Der Preis bestimmt den Geschmack“

Trotz dieser Vorteile essen Menschen in westlichen Ländern selten Insekten. Teilweise sind sie vorsichtig oder sogar angewidert vom Gedanken, insektenbasierte Lebensmittel zu essen. „Da aber viele dieser Personen gerne Hummer oder Krebs essen – trotz des insektenartigen Aussehens –, ist es möglich, dass sich diese negative Einstellung gegenüber dem Verzehr von Insekten ändern könnte», sagt Berger.

Bisher wurde nur vereinzelt erforscht, wie Insekten am besten gefördert oder vermarktet werden können, damit sie für eine breitere Öffentlichkeit schmackhafter werden. Neue Forschungsergebnisse  legen nun erstmals nahe, dass die Förderung von insektenbasierten Lebensmitteln eher im Luxuspreissegment gelingen könnte. Denn generell gilt: Haben identische Produkte höhere Preise, erwarten Konsumentinnen und Konsumenten bessere Qualität. Diese Erwartungen stehen auch in einer Wechselbeziehung mit den Produktbeurteilungen. Ob dies auch für insektenbasierte Nahrung gilt, war aber bisher unklar.

Berger und sein Team untersuchte daher in einer Reihe von konsumpsychologischen Experimenten, ob sich Preise dazu eignen, Erwartungen positiv zu beeinflussen. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass hochpreisige Insektenprodukte nicht nur besser bewertet werden, sondern diese Bewertungen auch auf weitere Insektenprodukte übertragen werden, für welche keinerlei Preisinformationen verfügbar sind“, erklärt Berger.

Preise hätten eine derart starke Wirkung, dass sogar „künstliche“ Preisreduktionen wie Subventionen negativ auf die erwartete Produktqualität wirken. „Hochpreisige Produkte könnten also dazu beitragen, die Einstellung von Konsumentinnen und Konsumenten zum Insektenverzehr zu ändern und eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion sowie gesündere Ernährung zu erreichen, auch wenn dies kurzfristig die Nachfrage drücken mag“, so Berger weiter.


Quelle: Insekten als Lebensmittel