Terrorverdächtiger im Abu Walaa-Prozess fordert zu Beeinflussung von Zeugen auf

Im Prozess gegen den salafistischen Hassprediger Abu Walaa in Celle soll einer der vier Mitangeklagten massiv auf Belastungszeugen einwirken. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag-Ausgabe) erfuhr, fing das Landeskriminalamt NRW Kassiber des inhaftierten Duisburger Koran-Lehrers Hasan C. ab, in denen er Vertraute außerhalb des Gefängnisses dazu aufforderte, „Operationen“ gegen vier Zeugen durchzuführen.

Nach Einschätzung des LKA geht es um gezielte Manipulationen von Zeugenaussagen in einem der spektakulärsten Terrorprozesse hierzulande. Wie die Zeitung weiter erfuhr, hatte der ehemalige Chef der verbotenen Rocker-Gruppierung Satudarah nach seiner Freilassung aus der Haft Ende Februar den LKA-Beamten die sechs handbeschriebenen Kassiber aus dem Hochsicherheitstrakt der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt übergeben. Die Bundesanwaltschaft wollte den Fall auf Anfrage nicht kommentieren.

Hasan C. gilt als Schlüsselfigur im weitverzweigten deutschen Netzwerk der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) um den irakischen Hassprediger Abu Walaa. Der Reisebürobesitzer aus Duisburg soll im Hinterzimmer seines Geschäfts junge Menschen mit der Dschihad-Ideologie vertraut gemacht haben. Mit Videos und einem Weißbuch soll der 52-Jährige neue Rekruten für den IS angeworben haben. Zu seinen Kursteilnehmern zählten der Berliner Attentäter Anis Amri und die Jugendlichen, die im April 2016 einen Sprengstoffanschlag auf den Essener Sikh-Tempel verübten. Letzteren soll Hasan C. seinen Segen für den Anschlag gegeben haben.